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Gute Designer sind immer auch Künstler [Interview]

Kreative Freelancer leben oft in einem Spagat zwischen Kunst und Karriere. Doch muss das so sein? Gibt es nicht auch eine Möglichkeit, wie Kreative Kunst und Karriere vereinen? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen muss: Steffen Heil aka Trippiesteff.

Steffen kann auf eine faszinierende Karriere als Illustrator und Animator zurückblicken, doch was uns an ihm wirklich begeistert ist sein markanter Stil. Kein Wunder also, dass wir bereits seit über einem Jahr regelmäßig mit Steff zusammenarbeiten. 2018 hat er für uns das Cover des Klassiker “The Score” von den Fugees neu interpretiert und erst kürzlich hat er einen Griiip-Rennwagen für unseren Art of Speed Contest entworfen und gewonnen. 

Dieses Talent macht uns neugierig. Wer dieser Mensch ist, was treibt ihn an und wie plant er seine Karriere? 

Erfahre es jetzt in unserem Interview. Ideal für Designer und kreative Unternehmen, die mehr als Standard wollen:

Hey Steff, schön, dass du dir die Zeit genommen hast. Stell dich doch kurz vor.

Hey, ich bin Steff aka Trippiesteff auf Fiverr. Ich habe Illustration an der BTK (Berliner Technische Kunsthochschule) studiert und vor ein paar Jahren meinen Abschluss gemacht. Danach hatte ich verschiedene Jobs, unter anderem habe ich für einen YouTube Channel gearbeitet und Videos für diesen animiert.

Heute bin ich selbstständig indem ich Illustrationen und Animationsfilme in Richtung GIF Art gestalte. Ich beschäftige mich viel mit Musikvideos, zum Teil auch für größere Bands und Artists.

Wie kam die Entscheidung, dich selbstständig zu machen?

Ich hatte ein Vorstellungsgespräch in LA und das lief nicht wie erwartet. Der Chef des Studios, wo ich mich beworben hatte, meinte, dass das, was ich aktuell mache, ideal für eine Karriere als Freelancer ist, aber weniger für einen Festangestellten.

Zurück in Deutschland bin ich seinem Rat gefolgt und habe mich selbstständig gemacht.

Engagiere Steff für dien nächstes Projekt

Was meinte er genau damit? Warum ist das, was du machst, besonders für Freelancer geeignet?

Ich glaube, er meinte, dass mein Stil ziemlich klar und definiert ist. Wenn du in einem Studio arbeitest, musst du dich immer wieder anpassen. Als Freelancer hingegen kannst du eher in deinem Stil arbeiten, weil du dafür ja gebucht wurdest.

Ist es wichtig für dich, deinen Stil durchzuziehen?

Inzwischen werde ich fast nur noch wegen meines Stils angefragt, also für Aufträge, auf die ich wirklich Bock habe.

Also ja, mir ist es wichtig, meinen Stil durchzuziehen. Denn das bedeutet, dass zu machen, worauf ich Bock habe. Meistens habe ich auch Glück und kann genau das machen.

Dir ist dein eigener Stil also wichtig. Siehst du dich da eher als Designer, der Aufträge abwickelt oder als Kreativer, der abseits seiner Kunst Geld verdienen muss?

Ich bin definitiv Designer. Ich habe eine Grafik-Design-Ausbildung und meine Hausaufgaben gemacht. Trotzdem fühle ich mich stark zu freier Kunst hingezogen und beschäftige mich viel damit.

Ich sehe mich selbst zuerst als kreativer Mensch und Künstler, bin mir aber auch bewusst, dass das bei Auftragsarbeiten hinten an stehen muss.

Was war dein Lieblingsprojekt bisher?

Ich habe ein Musikvideo für Slushii entworfen, welches bislang fast eine halbe Million Mal aufgerufen wurde. Die haben mit einigen Designs auch Merch gedruckt und das ist immer besonders cool.

Das Shirt war so schnell vergriffen, dass ich selbst nicht mehr die Farbe bekam die ich wollte, kam also sehr gut an.

Das hat definitiv Spaß gemacht.

Was hat dir daran so gut gefallen?

Zum einen hat die Chemie gestimmt. Wir waren auf einer Wellenlänge.

Dann ist es immer schön, wenn die eigene Arbeit viele Menschen erreicht. Es ist auch cool, für kleinere Kunden zu arbeiten, aber solche großen Projekte haben natürlich ihren Reiz.

Außerdem ist es cool, wenn du siehst, wie etwas Digitales, was du am Computer entworfen hast, real wird. Das ist immer etwas Besonderes.

Warum hast du dich für Fiverr entschieden und wie nutzt du die Plattform?

Ich erledige mittlerweile über 50% meiner Projekte über Fiverr. Der Grund ist simpel: Als Selbstständiger hast du viele Aufgaben neben dem, was du eigentlich machen willst. Ich hingegen will das aber nicht. Ich will keine Kunden finden oder Rechnungen hinterherrennen. Dafür habe ich nicht unterschrieben. Ich will zeichnen, animieren, illustrieren und nichts anderes.

Dein Design für den Griiip Contest wurde ja auch real. Wie war das für dich?

Mega cool. Das war ein wirklich besonderer Moment. Das ganze Team war dabei als das Design enthüllt wurde und alle waren happy damit und haben mir die Hand geschüttelt. Alle fanden irgendwie cool, was ich gemacht habe.

Und natürlich war das eine interessante Erfahrung. Wann kann man mal ein Rennwagen designen? Ich finde es richtig toll, dass Fiverr immer wieder solche Aktionen für seine Community plant.

Das Team hat dich für das Design gefeiert, aber dein Stil ist dennoch speziell. Bekommst du auch mal negatives Feedback?

Auf jeden Fall. Gerade auf Instagram kommt das häufiger vor. Es ist eben eine Plattform für Selfies und das schöne Leben. Einige Menschen sind dann geschockt, wenn sie mein Zeug entdecken und müssen dem dann Luft machen.

Okay, aber kommen wir zu den Leuten, die deine Kunst lieben. Wer sind deine Kunden?

Meist sind das kleinere Nischenunternehmen. In letzter Zeit habe ich zum Beispiel viele Verpackungen für Cannabis Lollis entworfen. Müsste ich meine Kunden zusammenfassen dann würde das so aussehen:

  • Jung
  • Urban
  • Künstlerisch geprägt

Der Kundenkreis ist echt mega breit gefächert, letztens habe ich eine Special Edition eines größeren Bierunternehmens gestaltet, ich werde für Veranstaltungsplakate gebucht, kann Grafiken für Lollapallooza machen und Parfumwerbung gestalten und es passt doch irgendwie alles zusammen.

Engagiere Steff für dein nächstes Projekt

Angenommen ein junger Designer/ Freelancer kommt zu dir und fragt dich, wie er das machen kann, was du machst. Wie lautet deine Antwort?

Ich glaube, das hat alles viel mit Glück zu tun. Zum Beispiel, dass ich einen Stil gefunden habe, der mir und anderen gefällt.

Jedoch ist es verdammt wichtig, herauszufinden, welcher Stil zu einem passt. Das sollte immer der erste Schritt einer Karriere sein.

Ich habe meinen Stil in meinem Bachelorprojekt gefunden. Da saß ich 4 Monate und habe alles gründlich ausgearbeitet. Alles was danach kam, hat darauf aufgebaut.

Mein Rat wäre: Bevor du anfängst, musst du dir klar werden, was du willst.

Aber ein anderer Rat wäre auch, nicht auf Ratschläge zu hören, sondern das zu machen, was man will. Als ich studiert habe, war ich sehr unsicher mit meiner Kunst und habe immer gestruggled. Stattdessen hätte ich damals einfach mehr auf mich selbst hören und vertrauen sollen.

Klingt logisch. Aber wie mache ich das?

Am besten, indem man zu seinen Basics zurück geht: Wo komme ich her und was will ich?

Viele Sachen, die ich heute als Künstler mache, habe ich bereits in der Grundschule auf den Tisch gezeichnet. Was ich jetzt tue, ist zwar anspruchsvoller, aber nur eine logische Weiterführung von meinen damaligen Interessen.

Kannst du das genauer erklären?

Also in der Grundschule habe ich begonnen, Pokémon nachzuzeichnen und die Bilder an Mitschüler zu verkaufen. Im Studium folgten dann erste Illustrationen und später dann der Schritt in die Selbstständigkeit. Das waren alles unterschiedliche Stationen, die aber vom Stil und Ziel her in die gleiche Richtung gezeigt haben.

Okay, das verstehe ich. Schaue in die Vergangenheit, um herauszufinden, was man will. Aber angenommen, ich weiß das. Wie schaffe ich es, dabei kreativ zu bleiben. Wie tust du das?

Das ist natürlich nicht so einfach und jeder muss hier seinen eigenen Weg finden. Mir helfen spezielle Techniken dabei. Zum Beispiel arbeite ich mit Moodboards, was mir unglaublich hilft.

Manchmal stöbere ich auch auf Pinterest für Inspirationen oder schaue Cartoons…

Was schaust du da besonders gern?

Cartoons aus den 90ern und Adventure Time (lacht).

Gibt es auch Rituale, die dir dabei helfen?

Weniger Rituale, aber mir ist wichtig, dass die Atmosphäre stimmt. Der Raum muss angenehm, warm und ruhig sein. Weiterhin habe ich mehr oder weniger jeden Tag den gleichen Tagesablauf.

Ich stehe halb 12 auf, mache mir Kaffee und zeichne auf einer Leinwand. Das ist immer privat, also meine eigene Kunst. Danach gehe ich an den Schreibtisch und erledige digitale Arbeit für Projekte und Kunden. In Pausen gehe ich gern spazieren, was hier in Brandenburg wunderbar funktioniert.

Meist arbeite ich 6 Tage die Woche und bin bis 6 Uhr morgens wach.

Okay, letzte Frage. Warum sollten Unternehmen mit dir zusammenarbeiten?

Weil ich sowohl cool als auch zuverlässig bin. Ich kenne mich mit aktuellen Themen und Popkultur aus und denke, ich weiß, was junge Leute zur Zeit umtreibt und begeistert. Ich versuche, mich emphatisch in den Klienten sowie in die Zielgruppe reinzudenken. Wer mit mir zusammenarbeitet bekommt ein authentisches Produkt, das meine Handschrift trägt.

Danke, Steff!

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