Gaming Coach Fiverr

Gaming Coach auf Fiverr: „Ich bekam 800 Nachrichten an einem Tag!“ [Interview]

Benjamin ist 29 Jahre alt und eigentlich Polizist. In seiner Freizeit unterrichtet er als Online-Coach andere Spieler im PC-Game „Apex Legends“. Damit ist er Teil eines riesigen Lifestyle-Trends, der, ausgehend von den USA, inzwischen Deutschland erreicht hat:

Immer mehr Menschen lassen sich online Nachhilfe im Zocken geben. Für Game-Coaches wie Benjamin die Möglichkeit, sich etwas dazuzuverdienen.

Alleine im vorletzten Quartal ist die Nachfrage nach solchen Trainern auf Fiverr um 122 Prozent gestiegen. Aktuell liegt Deutschland mit rund 40 aktiven Game-Coaches im globalen Vergleich auf Platz 4 (hinter den USA, UK und Kanada). Insgesamt bieten auf Fiverr mehr als 900 Coaches Gaming-Unterricht an.

Benjamin ist auf Fiverr seit letztem April unter dem Pseudonym ‚ticron‘ unterwegs. Wir wollten von ihm wissen, wie sein Gaming-Unterricht abläuft, wer seine Kunden sind und was nötig ist, um erfolgreich auf Twitch zu sein.

Wie kamst du auf die Idee, Game-Coaching als Gig auf Fiverr anzubieten?

Ich kannte Fiverr, weil ein Kollege von mir dort einen Programmierer für seine Homepage gesucht hat. Er hat mit der Plattform gute Erfahrungen gemacht. Auf YouTube habe ich dann gesehen, wie jemand einen Spieler in „Apex Legends“ coacht und das war alles super unstrukturiert und sehr wild. Da hab ich mir gedacht: Das kann ich besser!

Dann habe ich das mal aus Jux für fünf Dollar angeboten. Und dann kam es ehrlich gesagt ziemlich gut an, ich habe sukzessive den Preis erhöht, jetzt liege ich bei 25 Dollar pro Stunde.

Wie lange dauerte es, bis die erste Buchung kam?

Vielleicht zwei Tage, das ging echt zügig. Mein Profil hatte ich extra etwas professioneller eingerichtet: Ich habe dort über meine „Gaming-Karriere“ berichtet und meinen aktuellen Rang in „Apex Legends“ angegeben. Zwischenzeitlich war ich nämlich einer der weltweit besten Spieler. Das kam scheinbar gut an.

Und dann wurde es schlagartig mehr, nachdem ein YouTuber mich entdeckt hatte. Der wollte einfach mal checken, was ich so drauf habe, da lag der Preis pro Stunde gerade bei zehn Dollar.

Der hat dann ein Video dazu gemacht, wie er von mir gecoacht wird. Das ging total durch die Decke! Plötzlich bekam ich 800 Nachrichten – an nur einem Tag! Das war richtig verrückt!

Warum buchen Spieler überhaupt Unterricht bei dir?

Ganz einfach: Sie möchten ihr Spielerlebnis verbessern.

Wie hilfst du ihnen dabei?

Viele Spieler tendieren dazu, sich einzig auf Reflexe und das eigene Zielvermögen zu fokussieren und allein diese Aspekte zu verbessern. Die sehen in dem Spiel einfach einen schnellen Shooter im Stile von „Fortnight“, aber das ist es nicht.

Es gibt viele weitere Faktoren, die meiner Meinung nach den eigentlichen Großteil des Spiels ausmachen darüber entscheiden, ob man mit einem Sieg oder einer Niederlage davongeht.

Welche Faktoren sind das?

Strategie, Taktik, Movement, Positionierung im Spiel. Und natürlich Teamplay. Das wird gerne vernachlässigt. Da gibt es einige Tricks, die ich den Spielern beibringe. Aber ich möchte sie auch dazu anleiten, das eigene Spiel zu analysieren und auch mal in die Selbstreflexion zu gehen: Mit welcher Laune gehe ich in ein Spiel? Wie gehe ich mit Erfolgen oder Niederlagen um?

Und natürlich gibt es dann noch technische Aspekte: Ich erkläre, wie man sein System richtig einrichtet, sodass das Spiel flüssiger läuft und welche Einstellungen es angenehmer für die Augen machen und es beispielsweise erleichtern, den Gegner zu sichten.

Und wie läuft so eine Unterrichtseinheit dann ganz konkret ab?

Normalerweise finde ich mich mit den Spielern in Discord oder Teamspeak ein, das sind Voice-Chat-Programme. Dann besprechen wir erstmal – meistens auf Englisch – was wir in den kommenden 60 bis 90 Minuten vorhaben. Ich begebe mich dann in so eine Art Betrachtermodus, und kann dem Schüler quasi beim Spielen über die Schulter gucken. Und dann coache ich zum einen live, gebe also noch während des Spielens Tipps.

Zusätzlich nehme ich das Spiel aber auch aus der Sicht des Spielers auf. In meinem Stream auf Twitch zeige ich dem Spieler dann – teilweise in Zeitlupe, teilweise mit Vor- und Zurückspulen – was er gut gemacht hat, worin er sich verbessern kann, worauf er künftig achten muss und so weiter.

Bei dem Twitch-Stream kann dann wiederum jeder zuschauen?

Genau, das ist ein offener Channel. Das sind dann auch mal 60, 70 Zuschauer, die einschalten und sich das Coaching anschauen. Das sind gar nicht so schlechte Zahlen, ich habe da mit dem Game Coaching eine kleine Nische entdeckt – zumindest in „Apex Legends“ war das was Neues. Ein bisschen Glück gehörte aber sicher auch dazu.

Was muss man sonst noch mitbringen, ob mit dem Twitchen Erfolg zu haben?

Ich denke, mit Twitch kann eigentlich jeder anfangen, der nicht zu viele Ambitionen hat und nicht mit dem Zwang da reingeht, unbedingt Geld verdienen zu müssen. Das klappt nicht, das spüren die Zuschauer. Wenn man eine unterhaltsame Person ist, auch mal ein paar Scherzchen macht und positive Energie verbreitet, zieht das die Leute an. Wenn einem abends langweilig ist, ist das auch eine Alternative zum Fernsehen. Jemandem zuzugucken, der Spaß hat, bringt einem selbst auch gute Laune, das ist im Grunde das System von Twitch.

Du sagtest, du sprichst meistens Englisch mit deinen Kunden: Wer sind sie, woher kommen sie?

Über 90 Prozent sind aus dem Ausland: Viele aus den USA, Frankreich, England, Polen, Südafrika, Israel, wirklich von überall her… Außerdem sind es fast ausschließlich Männer, die Sessions bei mir buchen. Zu Beginn hatte ich rund zehn Anfragen – alle von Anwälten, alle Mitte dreißig. Das war ein Megazufall!

Ansonsten coache ich aber auch Pärchen: Da will dann ein Partner auf den Stand des anderen kommen. Oder Väter, die ihr Spiel verbessern möchten, um mit ihren Kindern mithalten zu können.

Einmal habe ich einen Jungen aus Hongkong unterrichtet. Dessen Vater hatte große Pläne mit ihm und wollte ihn zu einem E-Sports-Profi machen. Und es war einfach unglaublich, was der für Fähigkeiten hatte! Ich bin mir sicher, der wird sich einen Namen in der Szene machen.

Buchen deine Kunden mehrmals?

Eher selten, aber das liegt auch daran, dass mein Unterrichtskonzept darauf abzielt, dass sie nach einer Session alleine weiterkommen. Ich will auch gar nicht in diesen Modus verfallen, Leute ständig zu korrigieren und zu kritisieren. Ich möchte ihnen aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt und im besten Fall kommen sie dann selbst darauf, welche weiteren Schritte sie gehen müssen.

Wie ist das Feedback deiner Kunden?

Viele schreiben mir nochmal nach ein, zwei Wochen und freuen sich über ihre Fortschritte. Manche schicken auch Screenshots von ihren verbesserten Scores. Die Leute sind also sehr zufrieden! Ich glaube übrigens, dass es mir zugute kommt, auf ein Lehramt-Studium zurückzublicken. Dieser pädagogische Hintergrund hilft mir tatsächlich weiter.

Wie viele Stunden gibst du so pro Woche?

Aktuell versuche ich, es auf maximal eine Session pro Tag zu beschränken. Zu der Zeit, die ein Spieler gebucht hat, kommt für mich ja auch immer noch ein bisschen Vor- und Nachbereitung dazu und ich arbeite ja auch noch Vollzeit im Schichtdienst. Aber so klappt es gerade ganz gut.

Was gefällt dir an der Arbeit mit Fiverr?

Dass die Seite sehr übersichtlich ist und es einem leicht macht, genau das, was man sucht, zu finden. Und seit es die Gaming-Kategorie gibt, ist es sogar noch einfacher, alles, was mit PC- oder Konsolen-Spielen zu tun hat, zu finden.

Die Provision von 20 Prozent ist, denke ich, im gewöhnlichen Rahmen. Professionelle Agenturen nehmen ja ähnliche Teile. Außerdem kann man den Support in Anspruch nehmen. Von Freunden weiß ich ich, dass man da schnell Hilfe bekommt, wenn es notwendig wird.

Das Geld kriegt man problemlos über Paypal überwiesen, das ist unkompliziert.

Und es ist natürlich toll, mit einer Plattform zu arbeiten, die eine so große Reichweite hat und dadurch in Kontakt mit Menschen aus aller Welt zu kommen!

Benjamin, vielen Dank für das Gespräch.

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